Floridsdorf Street Photography

Konica TC Fail

Wenn die Kamera fotografiert aber nichts aufnimmt

Es passiert mir selten aber wenn es passiert, bringe ich es nicht mehr aus den Kopf: ein Filmanfang hat in der Kamera nicht gegriffen und als der Zähler schon 3 Bilder mehr als die Maximalzahl zeigte, wurde ich misstrauisch. Als Kontrolle würde ich normalerweise den Rückspulknopf drehen und sehen, ob recht schnell ein Widerstand zu spüren ist. Doch da schon mehr als auf den Film passt verschossen war, spulte ich einfach ganz normal zurück. Leider gab es ein Geräusch nach drei Umdrehungen und der leichte Widerstand war weg. Dass also war die Bestätigung : alles umsonst fotografiert.

Nachdem der Ärger auf die Konica TC abgeklungen und der Film in einem neuen Versuch ausgeschossen war, kommen mir die gemachten aber nicht festgehaltenen Bilder nicht aus den Kopf. Die „ungeschossenen Bilder“ waren von zwei street photography sessions am Franz Jonas Platz in Wien Floridsdorf. Eine schwierigen Ausgangslage im krassen Gegensatz zu den coolen NewYorker Straßenecken der YouTuber mit ihren Leica M3‘s. In Floridsdorf fotografiert niemand, ist niemand besonders cool angezogen oder hipp oder will mit einem plaudern. Man trifft auch keinen anderen Fotografierenden (oder bilde ich mir das nur ein…?)

Meine „ungeschossenen Bilder“ sind aber noch im Kopf: eine Gruppe von asiatischen 10jährigen Jungs: alle mit schwarzer Pufferjacke, alle mit Schultasche, alle mit take away Asia-Noodle-Becker in der Hand. Ein nettes Motiv (und eventuell ein gutes Foto).

Dann: eine aufs Schaufenster geklebte Hand, die die Passanten im Glas spiegelt und ihnen „an den Hals geht“. Hand zwar etwas unscharf aber eventuell ein gutes Bild.

Dann: in der Unterführung sitzen wartende Leute, dick eingemummt und nur das Handy beleuchtet die Szene. Wäre vielleicht zu dunkel geworden. Oder ganz cool und sphärisch.

Dann: eine 3er Gruppe von Obdachlosen mit herumstehenden Flasche im romantischen Gegenlicht und mit ganz langen Schatten.

Dann: ein älterer Herr schaut auf die Silvesterglücksbringer des Verkaufsstands. Eine Szene, die auch vor Jahrzehnten so hätte stattfinden können. (Wo sind die Herren im Anzug und Mantel und Hut hin? Ich vermisse sie.)

Jetzt, beim Aufschreiben schwanke ich zwischen der Enttäuschung nach den verlorenen Bilder und der Gewissheit, dass sie nicht so geworden wären, wie ich es mir vorstelle. Bei jedem entwickelten Film gibt es bei mir die Enttäuschungen und die Überraschungen. Und dann noch die Dazwischen, die sich – manchmal – als gute Ergebnisse herausstellen.